In den 1980er-Jahren gründete sie das Frauenseminar Bodensee, das zu einem zentralen Ort feministischer Bildungsarbeit wurde. Dort verband sie persönliche Entwicklung, psychologisches Wissen und gesellschaftskritische Analyse. Im Zentrum ihrer Arbeit standen Selbstwert, Selbstwirksamkeit, Sprache und die Frage, warum Frauen trotz hoher Kompetenz so selten öffentlich auftreten und gehört werden. Mit ihren Seminaren, Ausbildungen und Publikationen leistete Julia Onken einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarmachung jener subtilen Mechanismen, durch die Frauen bis heute entwertet und begrenzt werden.
Julia Onkens Lebensweg zeigt exemplarisch, dass der Kampf um Gleichberechtigung nicht nur auf gesetzlicher Ebene geführt wird. Ihre Arbeit macht deutlich, wie eng persönliche Biografien, gesellschaftliche Strukturen und politische Entwicklungen miteinander verflochten sind und wie zentral psychologische Aufklärung für emanzipatorische Prozesse bleibt.